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Las Vegas Grind 29.-31.10.1999
From all over the World they came to loose their minds!!

Nachdem ich dem Ben in leicht benebeltem Zustand einen Bericht über obiges Ereignis versprochen hatte, ließ der natürlich nicht mehr locker und so sitze ich nun hier und sauge mir was aus den Fingern, um meine angehende Journalistenkarriere nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Lutz von Soundflat hat zwar im Emorock-Curriculum "OX" bereits eine Abhandlung darüber geschrieben, aber was soll's - das kleingedruckte Zeugs liest ja eh keiner

Als Cave 4-Surfmaster Öli im April '99 seinen mächtigen Labelbossen von Swindlebra Records über den bevorstehenden Megaevent berichtete, war Uwe und mir sofort klar: wir sind dabei'. Im Handumdrehen waren 4 Mitreisende gefunden, die Tickets via Internet geordert, ein günstiger Flug gebucht und erstaunlich preiswerte Zimmer reserviert, so daß es am 28.10. endlich losgehen konnte.
Das Rübermachen wurde durch zollfreien Wodka und Bordbier erheblich aufgelockert, so daß Surfmaster Öli gegen ca. 20 Uhr Ortszeit eine recht aufgeräumte Reisegesellschaft in seinen Mietwagen packen und zum Hotel Orleans fahren durfte, das die Ehre hatte uns die kommenden 7 Tage zu beherbergen.
Der Ankunftstag diente der Akklimatisierung unter besonderer Berücksichtigung der alkoholischen Ortsverhältnisse, wobei sich Heineken-Bier und Tequila-Sunrise als klare Favoriten herauskristallisierten. Bereits am 2.Tag hatten wir uns an den ganzen Casinowahnsinn mit seiner 24- Stunden-Geräuschkulisse gewöhnt, so daß nach Erledigen der Grind-Eincheckformalitäten einer fröhlichen 3-Tage-Orgie nichts mehr im Wege stand.

Den ersten Kick bekam man dann gleich beim Betreten des mondänen Veranstaltungssaals im Gold Coast Hotel: eine künstlerisch ebenso wertvolle wie einfallsreiche Dekoration zwischen Trash, Voodoo und Halloween stach uns ins Auge, die rund um den Bühnenbereich mit Podesten für die stets aufreizend zuckenden GoGo-Girls garniert war. Diverse gut bestückte Ausschankstellen (die bei Hochbetrieb von mobilen Einsatzkräften verstärkt wurden) und eine ellenlange Tonträgerverkaufsfront, bei der auch ich allnächtlich mein Unterlegtes Tütchen abholte, rundeten den positiven Gesamteindruck ab. Und welcher deutsche Veranstalter würde es wagen ein 3-Tages-Spektakel mit 1500-2000 Irren aus aller Welt auf einem Teppichboden auszutragen ? Jaja, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Unter den Zuschauern befand sich die erwartet hohe Anzahl deutscher Rock'n'Roll-Enthusiasten und das Who's who der globalen Szeneprominenz, deren Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde. Nett war in diesen Tagen auch der Kontrast zu den ebenfalls zahlreich erschienenen Cowboy-Redneck-Teilnehmern des gleichzeitig stattfindenden "Professional Bullriding Contest" anzusehen, was andernorts vermutlich zu tumultartigen Gewaltszenen geführt hätte, aber trotz der bisweilen surreal anmutenden Besucherzusammensetzung, die Las Vegas so zu bieten hat, liegt doch eine erfreulich friedliche Stimmung über dem ganzen Szenario, da letztlich alle dasselbe Ziel verfolgen:

Amüsement bis zum Abwinken !

Und dann ging's auch endlich los, wobei vorweg lobend erwähnt werden muß, daß der Programmplan ziemlich penibel eingehalten wurde, was bei der Vielzahl der Bands die Orientierung doch erheblich erleichterte.

Den Grind-Opener machten die Mädels von den Dirty Burds, die neben gefälligem Fuzztone-Garagepunk auch was fürs Auge boten, was schon zu Beginn für gute Stimmung sorgte, die bei den darauffolgenden, äußerst korrekt gekleideten Neatbeats aus Japan noch stieg, die mit ungeheurer Souveränität das Publikum zu ersten Begeisterungsstürmen hinrissen. Da ich mich als Traditions-Punkrocker nun nicht als hochkompetenter 60's/Garage-Experte gerieren möchte, muß ich zugeben, daß ich meine Probleme mit der nuancierten Beschreibung der jeweils dargebotenen Musikstile habe. Das Programm schreibt bei den Neatbeats was von "pure Merseyside Beat", ich würde das Ganze als cool rübergebrachten, Old-School-Rockabilly angehauchten Sound bezeichnen (auf die Gefahr hin gesteinigt zu werden). Sei's drum - klasse war's auf jeden Fall. Die Dukes of Hamburg fand ich danach ein wenig eintönig und nur weil die wegen eines Ex-Mummies-Members reichlich gehypt werden, spritz' ich da noch lange nicht ab. Weitaus besser kamen bei mir da schon die Wildebeests an, deren Beat einfach über eine trashige Punkrockkante verfügte, die bei mir natürlich auf fruchtbaren Boden fällt. Anschließend gab's erstmal (wie in den Folgetagen auch) eine Pause, um das bisher Dargebotene zu verdauen und die weitere Aufnahmefähigkeit wieder herzustellen. In diesen Pausen und ebenso nach Ende der Liveshows konnte man bei heißen Rhythmen vom Plattenteller, der von illustren DJs bedient wurde, weiterhin kräftigst mit dem Arsch wackeln. Zu empfehlen war allerdings auch ein Abstecher in die hoteleigene Karaoke-Bar, wo stets absurde Unterhaltung garantiert war. Beim Anblick ausflippender Japanerinnen, die ebenso enthusiastisch wie talentfrei ihrem Nationalsport frönten über Country-Schwergewichte, die glaubten Elvis intonieren zu müssen bis hin zu Bandmitgliedern, die bisweilen grandiose Fetzer aufs Parkett legten, verging die Zeit wie im Fluge. Das Karaoke-Happening blieb so auch nicht lange ein Geheimtip unter Trashfreunden.
Nach der Pause dann der unbestrittene Höhepunkt des ersten Abends: von der Girl-Performance-Group "Devil-Ettes" aus San Francisco auf einem Gladiatorenwagen hereingezogen und ihrem Namen entsprechend in antik-römische Togas gewandet, räumten Thee Mighty Ceasars mit auf den Punkt gebrachten rauhen Smashern gnadenlos ab und brachten damit den Saalboden gefährlich zum Schwingen. Klar besser als Childish's Geschrammel mit den Headcoats. Danach gespanntes Warten auf die legendären Wailers und zunächst dachte ich, man hätte die Rentnerband vom Erdgeschoß, die dem gesetzteren Publikum gemächliche Evergreens servierte, als Ersatz auf die Bühne gebeten, aber von wegen: es handelte sich tatsächlich um die lebende (?) Legende, die dann ein nettes Seniorenschwofprogramm in die Menge eierte. Boah - war das Scheiße ! Nur Jenz Bumper fühlte sich an "damals" erinnert - wie alt ist der eigentlich ? Nach dieser Enttäuschung war die Luft ziemlich raus und viele verließen bereits den Ort des Geschehens, was mir für die Breadmakers leid tat, die noch zu später Stunde sehr ordentlich abrockten. Ganz stand ich deren Auftritt allerdings auch nicht durch, da ich mich noch um den Mitreisenden Dieter kümmern mußte, da das Weiche! auf einem Hocker vor einer Slot-Machine eingepennt war.

Den zweiten Abend läuteten die Diaboliks mit ihrem 60's-Beat-Punk sehr solide ein, wurden aber im Anschluß gleich durch eine hervorragende Surf-Rock'n'Roll-Darbietung der Arousers in die Schranken verwiesen. Ein furioser Start in die Nacht ! Und dann - Bühne frei für die zu diesem Anlaß einmalig reformierten Untamed Youth !!!!! Da hatten wohl die Meisten drauf gewartet und ich bin sicher nicht der Einzige, der die 4 Spaßvögel zum Highlight des kompletten Grinds erhoben hat. "Purveying their fun, party, surfand hotrod stompers to screaming fans everywhere !" - der Programmankündigung ist nix hinzuzufügen. The Untamed Youth verwandelten den Saal in ein Tollhaus, die Stimmung schäumte über und der Schwingboden geriet derart ins Wackeln, daß ein Durchbruch ins untere Geschoß ernsthaft befürchtet werden mußte, was gewiß ein grandioses Bild abgegeben hätte: der tobende Grindmob erschlägt das Bürgertum in Las Vegas - wow! (Eine Vision, die außer mir und dem Lutz - siehe Ox - noch etliche Anwesende belustigte) Genial auch Deke Dickersons Pabst-Blue-Ribbon-Bierföntänen-, einlage, eine Biersorte über deren Qualität innerhalb der Band offensichtlich erhebliche Meinungsun-terschiede bestehen. Jedenfalls schafft's der Wahnsinnige eine Dose dieses Gebräus in vollem Umfang in seinen Schlund zu schieben, anzusetzen und dabei noch soviel Platz zu lassen, um eine imposante Fontäne in die Menge zu spritzen. Respekt! Die Gewinner des Grinds ! Von den darauffolgenden Sidekicks blieb bei mir nichts besonderes hängen, war ich wohl vom furiosen Auftritt der ungezähmten "Jugend" noch zu sehr überwältigt. 1 a war dann wieder der klassische Surfsound der Phantom Surfers, der leider nach einer halben Stunde durch Hinzunahme von Davie Allen, einer weiteren halbtoten Semilegende, völlig verhunzt wurde.
Nachdem die Phantom Surfers verständlicherweise das Weite gesucht hatten, schrammelte besagter Herr Allen mit seinen Arrows weiter, was mir Gelegenheit zum Frischlufttanken gab, sollten doch im Anschluß die Trashmen die Bühne erklimmen, wobei einem trotz aller Erwartungen angesichts bisher gezeigter Leistungen einiger Veteranen doch etwas mulmig war. Das Fiasko blieb zum Glück aus, klang doch erstaunlich frisch und vital, was die Herren da boten. Kein Hit wurde ausgelassen und bei "Surfin' Bird", das gleich zweimal gebracht wurde, glich die Tanzfläche einmal mehr einem Trampolin, Eine würdige Altersleistung ! The Saturn V featuring Orbit standen als Abschlußband nach dem bis dahin Erlebten auf reichlich verlorenem Posten.
Beim Warten auf den Shuttle-Bus zum Hotel Orleans lernten wir dann noch Brian und seine Freundin aus New York kennen, was in einem bis halb acht Uhr morgens dauernden Absturz im Hotelzimmer endete, weswegen ich den dritten Tag des Grinds auch auf etwas wackligen Beinen erlebte.
Heute war Halloween und in den Staaten ist das doch ein richtig großes Ding und so erschien ein Großteil des Publikums in aberwitzigen Kostümierungen. Neben allerlei Monstren und Mutationen gefiel vor allem ein perfekt gestylter Che Guevara in Military-Outfit mit fetter Zigarre im Mund - für die Amis wohl das Böse schlechthin! Lutz Soundflat erschien mit der Erklärung "den Amerikanern mal etwas deutsche Kultur näherzubringen" im Schützenvereinsanzug seines Vaters inclusive Hut und schoß damit den Vogel ab. Gibt's da Fotos ?

So konnte auch an diesem Abend nichts mehr schiefgehen. The Embrooks und Jack & the Rippers liefen als "ganz nett" mehr oder weniger an mir vorbei, was bei den prima aufgemotzten Neanderdolls definitiv nicht der Fall war. Ein optischer und musikalischer Leckerbissen und die etwas korpulente Tina Trashwoman an den Drums kann als durchaus imposante Erscheinung bezeichnet werden und konnte mich kurz nach ihrem Auftritt auch durch ihren gesegneten Appetit an der Burgertheke beeindrucken.
Die Namensverwandten Neanderthals konnten im Anschluß nicht ganz dagegen anstinken, auch wenn ihr Auftritt gewiß nicht von Pappe war, aber irgendwie schaut dieses Urmenschenoutfit bei Mädels besser aus, ist aber wahrscheinlich nur eine Frage der geschlechtsspezifischen Sichtweise. Shutdown 66 waren dann kreuzfad und ich war heilfroh, als endlich Andre Williams & the Countdowns die Bühne enterten. Bei ihrer Deutschlandtour fand ich die Kombination aus dem Blues-Trash der Countdowns und dem großartigen Rhythm'n'Blues-Organ von Andre Williams absolut großartig, zu meinem Entsetzen war diesmal jedoch noch eine Bläsersektion am Start, die da einfach nicht dazupasste. Das klang irgendwie alles zu clean und auch die Countdowns wirkten bei weitem nicht mehr so rauh, wie ich es in Erinnerung hatte und machten obendrein einen arroganten und unsympathischen Eindruck. Geht kacken.
Den Abschluß eines unvergessenen Festivals bildeten die Los Straitjackets, deren Instrumental-Surf-Rock'n'Roll gut ins Ohr ging. Nichtsdestotrotz sah ich mich gezwungen nach einer knappen halben Stunde die Segel zu streichen, da mir aufgrund mehrtägigen Alkoholmißbrauchs der Kollaps drohte. Fazit: COOLE SCHEISSE !!!

Unser einwöchiger Aufenthalt bestand natürlich nicht nur aus Grind: wir ergaben uns selbstredend widerstandslos dem ultimativen Entertainment-Overkill Las-Vegas-Style, soffen, spielten, shoppten, besichtigten merkwürdige Hotels in der Größenordnung einer deutschen Kleinstadt und nutzten auch so manches einzigartige Angebot.
Hervorheben möchte ich hierbei die perfekte SD-Simulation "Race for Atlantis" im Ceasar's Palace (eine Anforderung schon für den intakten Magen!) und die jeder deutschen TÜV-Auflage widerstrebende rasante Achterbahnfahrt in und ums Hotel NewYorkNewYork. Ich brachte l Stunde kein Bier mehr runter, Insider wissen was das heißt.
Einen kompletten Tag widmeten wir dann noch einem 18-stündigen Ausflug via Hoover-Damm an den ca. 5-6 Fahrstunden entfernt liegenden Grand Canyon, den wir nicht nur ausgiebig von diversen Aussichtspunkten aus begutachteten, sondern dessen Imposanz wir uns als Edeltouristen auch noch per Helicopterflug näherbringen ließen. Nicht ganz billig, aber ein einmaliges Erlebnis! Ein 7-tägiger Intensivurlaub, der jede müde Mark wert war!
Der 2. Las Vegas Grind findet heuer bereits vom 30.6, bis 2.7. an gleicher Stelle statt, da im November die europäische Schwesterveranstaltung Wild Weekend in London abhebt. Bei Letzterer werde ich vermutlich wieder vor Ort sein, zumal voraussichtlich sowohl unsere Label-Zugpferde Cave 4 als auch die unglaublichen Boonaraaas auftreten werden, deren Split-EP mit der Subsonic-Speed-Hausband Reekys bereits auf Swindlebra Records draußen sein müßte, wenn ihr diese Zeilen lest. HAUT REIN!!!


Cheesy Swindlebra